5 Jahre Getränkemarkt Luft in…

5 Jahre Getränkemarkt Luft in Alpen

Alpen NRZ vom 17.09.2016
Egzon Demolli flüchtete vor eineinhalb Jahren mit seiner Familie aus dem Kosovo. Nun macht er eine Ausbildung im Edeka-Getränkemarkt Luft.

Wenn der Edeka-Getränkemarkt Luft in Alpen nächste Woche seinen fünfjährigen Geburtstag feiert und Freitag zum Drive-In einlädt, ist einer wieder mit von der Partie: Egzon Demolli. Der aus dem Kosovo stammende 21-Jährige ist einer von drei neu eingestellten Auszubildenden bei Edeka in Alpen.Dabei wollte Thomas Luft zu Beginn eigentlich nur zwei Nachwuchskräfte einstellen: „Egzon sollte eigentlich ein dreimonatiges Praktikum machen. Nach zwei Monaten kam aber Astrid Kummer auf mich zu und sagte mir: ,Er muss jetzt eine Ausbildung nachweisen.’“ Warum Dringlichkeit herrschte, ist für die Koordinatorin der Flüchtlingshilfe Alpen leicht zu erklären: „Flüchtlinge aus dem Kosovo haben hier keine Bleibeperspektive.“ Wie es für Demolli weitergehen sollte, war unklar.Weil der gebürtige Kosovare während seines Praktikums jedoch überzeugen konnte, herrschte schnell Klarheit. „Egzon zeigt eine hohe Einsatzbereitschaft, ist sehr freundlich und zuvorkommend und macht seine Arbeit gewissenhaft“, unterstreicht Luft. Aus diesem Grund entschied er sich, doch noch einen Ausbildungsplatz zu vergeben. „Es wird in Deutschland so viel Schlechtes über Flüchtlinge geschrieben. Wir haben mit ihm sehr positive Erfahrungen gemacht.“Für beide Seiten ist seine Einstellung ein Gewinn, denn auch Demolli fühlt sich an seinem Ausbildungsplatz sehr wohl und ist froh, in Deutschland zu sein: „Ich kann nicht sagen, dass hier etwas schlechter ist als im Kosovo.“ Die Probleme fangen in seiner Heimat schon in der Schule an. Für seine Familie und ihn war das auch der Hauptgrund dafür, das Leben im Kosovo zurückzulassen und sich auf den Weg nach Deutschland zu machen. Also setzten sich Egzon, sein Bruder Enis und seine Eltern in einen Bus nach Serbien. Von dort aus ging es mit dem Bus nach Ungarn, von wo aus man erst mal zu Fuß nach Budapest ging, um dann mit dem Zug nach Deutschland zu fahren.Hier angekommen, hatte er zumindest schon einmal eine abgeschlossene Ausbildung zum Grafikdesigner vorzuweisen. Nach dem Abschluss fand er im Balkanstaat jedoch keinen Job. Die Weltbank schätzt, dass dort mehr als 35 Prozent aller Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 24 weder eine Bildungseinrichtung besuchen noch einer Ausbildung oder Beschäftigung nachgehen. Diese Entwicklungen kann auch der Auszubildende bestätigen: „Wenn du mal eine Woche in der Schule gefehlt hast, war das egal. Die Schule war Schrott.“ In Deutschland sei das jetzt anders: „Wenn du in der Schule oder Ausbildung einen Abschluss hast, bekommst du einen Job.“ Zuhause hatte lediglich sein Vater einen Arbeitsplatz; er hatte eine kleine Baufirma. „Wir haben aber oft kein Geld bekommen oder es wurden Gerüste geklaut.“ Das war letztendlich neben der mangelenden Perspektive und der Vetternwirtschaft in der Politik einer der Gründe, ein neues Leben anzufangen. Wie es für die Eltern jetzt aber weiter geht, steht in den Sternen. Demolli erklärt, dass sein Vater gerade auf der Suche nach einem Job sei und vielleicht bald auf einer Baustelle anfange. Die Genehmigung dafür habe er schon mal. Kummer weiß aber, dass es für seine Eltern nicht sehr rosig aussieht: „Sein Vater ist sehr fleißig und er würde einen Job bekommen. Wenn es aber bis zum Ende des Jahres zu einem Behördengespräch kommt, wissen die Eltern um ihre geringen Chancen.“ Doch auch, wenn seine Familie zurück in ihre Heimat müsste: Sie hätte alles für eine gute Ausbildung ihrer Kinder getan. „Sie wollte eine Perspektive für sie schaffen. Das ist ihnen gelungen.“Mit der Entwicklung zufriedenFür Egzon sehe es aber gut aus, bestätigt die Flüchtlingskoordinatorin. „Er ist sehr fleißig, mutig und sehr tolerant, auch wenn er es wegen seiner Herkunft sicherlich nicht immer leicht hat.“ Den positiven Eindruck kann auch sein Vorgesetzter, Pascal Bettray, bestätigen: „Er kann unheimlich gut mit den Kunden umgehen und hat keine Angst, auch wenn er die Sprache noch nicht zu 100 Prozent spricht.“Bettray hofft wie Thomas Luft weiterhin auf gute Leistungen seines Auszubildenden und darauf, dass sich der Getränkemarkt weiter so gut entwickelt. Die Prognosen habe man längst übertroffen. „Wir hätten die doppelte Fläche gebraucht“, macht Thomas Luft heute deutlich. Das sei auch der Grund für die Gewinnspielwoche und die Drive-In-Aktion. Trotzdem sehen sie immer noch Verbesserungsbedarf: „Die Parkplatzsituation könnte besser sein, vielleicht müssen wir bald Parkplatzkontrollen durchführen.“Zu guter Letzt konnte Luft dann auch noch einen Zwischenstand zum Edeka-Markt in Menzelen geben: „Das Grundstück ist gekauft und wir setzen gemeinsam mit der Gemeinde Alpen alles daran, den Edeka-Markt in Menzelen endlich zu verwirklichen, auch wenn es uns der Regionalverband Ruhr an der Stelle wirklich nicht leicht macht.“So wie Egzon Demolli, der nach seinem Abschluss gerne in Deutschland bleiben würde… Veit Ellerbrock